Das Göttinger Institut für Soziologie trauert um Prof. Dr. Matthias Koenig

Wir sind tief betroffen und traurig über den Tod unseres ehemaligen Kollegen Matthias Koenig, der im Alter von 54 Jahren nach schwerer Krankheit verstorben ist. Von 2006 bis 2020 war Matthias Koenig als Professor für Soziologie mit dem Schwerpunkt „Religionssoziologie“ am Institut für Soziologie der Universität Göttingen tätig. Hier forschte er etwa zur globalen Institutionalisierung von Menschenrechten, zur rechtlichen Regulierung von kultureller Diversität sowie zu religiösen Aspekten der Integration von Migrant:innen. Zusammengehalten wurden diese zum Teil sehr unterschiedlichen Forschungsgebiete durch die Frage nach der Integration von empirischer Sozialforschung und fachwissenschaftlicher Theorienbildung. Im besten Sinne arbeitete Matthias Koenig theorien- und methodenplural.

In seiner Zeit in Göttingen vertrat Matthias Koenig unser Institut in unterschiedlichen Positionen und Funktionen, war unter anderem sein geschäftsführender Direktor und engagierte sich erfolgreich in universitären und überuniversitären Forschungsinitiativen. Auch war er Fellow am Max-Planck-Institut zur Erforschung multireligiöser und multiethnischer Gesellschaften und Mitglied der jungen Akademie an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften.

Für Lehrende und Forschende am Institut für Soziologie war Matthias Koenig aber vor allem ein Wissenschaftler, Kollege, Lehrer, Mentor und Begleiter, auf den man sich immer verlassen konnte. Dabei war er trotz seiner in jeder Hinsicht herausragenden akademischen Leistungen im persönlichen Umgang stets auf eine angenehme Art bescheiden und zurückhaltend. Nie stellte er seine eigene Person in den Mittelpunkt, sondern hatte die Gabe, ein Umfeld zu schaffen und zu gestalten, in dem sich sehr unterschiedliche junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit einer bemerkenswerten Bandbreite an Forschungsthemen, methodischen und theoretischen Zugriffen gemäß ihrer Stärken und Interessen entfalten konnten. Seine forschungsstrategische Weitsicht war bemerkenswert.

Auch in kollegialen Zusammenhängen war Matthias Koenig ein Brückenbauer, der stets an der Sache, für die er brannte, interessiert war. In schwierigen Situationen gelang es ihm immer, Projekte und Gesprächszusammenhänge durch eine vermittelnde, pragmatische und wertschätzende Haltung am Laufen zu halten: Für Probleme musste es Lösungen geben, durch die alle Beteiligten etwas gewannen – der Sache wegen.
Sein breites Wissen und seine Belesenheit, die weit über die von ihm im Forschungsalltag vertretenen Arbeitsfelder hinausreichte, beeindruckten uns ebenso immer wieder, wie das breite internationale Netzwerk, das sich Matthias Koenig schon vor seiner Göttinger Zeit etwa in seiner Tätigkeit für die UNESCO aufgebaut hatte. Dieses Netzwerk reichte nicht nur bis Nordamerika, sondern umfasste etwa auch die Länder in Subsahara-Afrika. Und von diesem Netzwerk profitierten wir alle ganz direkt: In Göttingen konnte man auf Initiative von Matthias Koenig im Rahmen von Vorträgen, Kolloquien und Tagungen über die Jahre mit einer bemerkenswerten Fülle herausragender internationaler Forscherpersönlichkeiten ins Gespräch kommen.

Matthias Koenig hat uns in seiner Göttinger Zeit immer wieder aufs Neue inspiriert und bereichert. Der ernsthafte, klug abwägende und vor allem wertschätzende Ton, den er in den Arbeits- und Gesprächszusammenhang dieses Instituts eingebracht hat, bleibt für uns Maßstab der wissenschaftlichen und kollegialen Zusammenarbeit. Aufgrund seiner herausragenden Leistungen als Forscher, aber auch aufgrund seiner stets geschätzten Persönlichkeit standen Matthias Koenig viele Türen offen. Seinen Weggang nach Heidelberg, die Stadt Max Webers, dem er sich als Sozialforscher stets verpflichtet fühlte, haben wir damals sehr bedauert.

Unsere ganze Anteilnahme gilt seiner Familie. Wir werden Matthias Koenig ein ehrendes Andenken bewahren.