Deutsch-Chinesisches Institut für Rechtswissenschaft
“What Kind of Innovation is e-CNY?” Vortrag von Karman Lucero (Yale Law School)
E-CNY: Digitaler Yuan als eine nachhaltige Innovation?
Bericht von Alexandr Zverkov
Am 21. April 2026 begrüßte das Deutsch-Chinesische Institut für Rechtswissenschaft ganz herzlich Herrn Karman Lucero von der Yale Law School an der Georg-August-Universität zu einem Gastvortrag, der mit Unterstützung des Akademischen Konfuzius Instituts Göttingen ermöglicht wurde.
Karman Lucero hat einen J.D. sowie einen B.A. an der Columbia University erworben und ist seit 2018 Associate Research Scholar und Senior Fellow am Paul Tsai China Center der Yale Law School. Lucero war u.a. Gastwissenschaftler an der Peking-Universität und an der Renmin-Universität. Im Vordergrund seiner Forschung steht die Regulierung neuer Technologien in China. Hierbei beschäftigt er sich insbesondere mit Künstlicher Intelligenz, globaler KI-Governance, daneben aber auch mit den Beziehungen zwischen der Volksrepublik China und den USA. Durch die Organisation internationaler Dialogformate hat Lucero eine Plattform für Wissenschaftler, Vertreter der Privatwirtschaft und politische Entscheidungsträger geschaffen, um Fragen der Technologie-Governance gemeinsam zu diskutieren.
Der Vortrag von Lucero trug den Titel „What kind of innovation is e-CNY?“ und behandelte die Frage, welche Art von Innovation die digitale Zentralbankwährung Chinas, der sogenannte e-CNY, auch als „digitaler Yuan“ bekannt, darstellt.
Lucero begann mit einem grundsätzlichen Blick auf das Verhältnis von Recht und Geld und zeigte auf, dass Geld nicht nur ein wirtschaftliches, sondern auch ein rechtliches und gesellschaftliches Konstrukt ist. Anschließend erläuterte er die Struktur des e-CNY als digitale Form der chinesischen Staatswährung, die sich von Kryptowährungen und privaten Zahlungssystemen unterscheidet. Besonders betonte er die „Two-Tier“-Governance-Struktur sowie die abgestuften Wallet-Systeme mit einem unterschiedlichen Grad an Identifizierbarkeit und Anonymität.
Einen zentralen Aspekt seines Vortrags bildete das Thema der „kontrollierten Anonymität“, bei welcher der Staat Benutzerfreundlichkeit und Nachverfolgbarkeit miteinander verbinden will. Darüber hinaus sprach Lucero über die politischen Ziele hinter dem e-CNY, etwa mehr staatliche Kontrolle, weniger Finanzrisiken sowie die Stärkung des Renminbi. Trotz der langen Entwicklung seit 2014 bleibe die tatsächliche Nutzung bislang jedoch begrenzt. Insgesamt machte Lucero deutlich, dass der e-CNY vor allem als institutionelle und rechtliche Innovation zu verstehen sei.
An den aufschlussreichen und anregenden Vortrag von Lucero schloss sich eine lebendige Diskussion mit den erschienenen Teilnehmenden an.
Mit einem ebenfalls vom Akademischen Konfuzius Institut Göttingen geförderten Abendessen in kleinem Kreis fand eine gelungene Veranstaltung einen würdigen Abschluss.
14. Junges Forum zum chinesischen Recht am 19.03.2026
„Eine Plattform für die nächste Generation“
Bericht von Keanu Demuth
Am 19. April 2026 veranstaltete das DCIR das „14. Junge Forum zum Chinesischen Recht,“ ein wiederkehrendes Event, das nichts von seiner Kontinuität und Relevanz verloren hat. Anders als im Vorjahr wurde das Forum als Hybridveranstaltung angeboten, wobei das DCIR zahlreiche Teilnehmende vor Ort begrüßen konnte. Sowohl für die Teilnehmenden vor Ort als auch für die Online-Gäste eröffnete das 14. Junge Forum die Möglichkeit, sich als Teil des juristischen Nachwuchses einzubringen und zugleich eine Brücke zwischen der chinesischen und der deutschen Rechtskultur zu schlagen. „Das 14. Junge Forum zum Chinesischen Recht ist eine Plattform für die nächste Generation“, betonte Institutsdirektor Prof. Dr. José Martínez in seiner Begrüßungsrede vor den Teilnehmenden.
Zu Beginn gab Prof. Dr. Knut Benjamin Pißler, China-Referent am Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Recht in Hamburg, einen interessanten Einblick in die chinesische Rechtsterminologie, insbesondere unter Einsatz von DeepL. Prof. Dr. Pißler machte anhand von Übersetzungsübungen deutlich, dass der Übersetzer DeepL zwar ein wichtiges Hilfsmittel sei, aber terminologische Ungenauigkeiten aufweise. Zum Vergleich veranschaulichte er, wie juristische Begriffe durch ChatGPT übersetzt werden. Zudem machte Prof. Dr. Pißler auf hilfreiche Datenbanken wie Faxin (法信) aufmerksam, die vom obersten Volksgerichtshof betrieben werden und für Göttinger Studierende leicht zugänglich sind.
Anschließend gab es einen spannenden Vortrag des China-Experten Ralph Koppitz mit dem Titel „Wissenschaftliche Zusammenarbeit mit und in China – Gesetze, Vorschriften und Praxis.” Koppitz arbeitet als Rechtsanwalt und Partner für die Rechtsberatung von RÖDL in Shanghai. Ralph Koppitz erklärte, dass es Herausforderungen gebe, wie dem zunehmenden Wettbewerb auf dem chinesischen Markt. Außerdem veranschaulichte er, wie China über die Jahre zum Know-how- und Technologiegeber avanciert ist – anhand beeindruckender Videoclips fortschrittlicher chinesischer Androiden. „Aufgrund der zahlreichen Innovationen aus China sind Rechtsschutz und Juristen besonders gefragt“, so Ralph Koppitz. Zudem gab Koppitz den Teilnehmenden wertvolle Hinweise für ihren ersten Chinaaufenthalt.
Danach präsentierte Rechtsanwältin Dr. Madeleine Martinek von der Kanzlei GÖRG, Berlin einen aufschlussreichen Überblick über die „Vertragsgestaltung im Chinageschäft unter besonderer Berücksichtigung der chinesischen Schiedsgerichtsbarkeit”. Dr. Martinek machte auf Aspekte aufmerksam, die zu beachten sind vor dem Vertragsschluss zwischen einem deutschen und chinesischen Unternehmen. Außerdem erläuterte sie die Vor- und Nachteile bei der Anwendung des UN-Kaufrechts und wies auf die Besonderheiten der chinesischen Schiedsgerichtsbarkeit hin.
Abschließend stellte Ranling Zhang, wissenschaftliche Mitarbeiterin am DCIR, den Doppelmasterstudiengang “Chinesisches Recht und Rechtsvergleichung” der Universitäten Göttingen und Nanjing vor. Minte Nagel, die erfolgreich den Doppelmasterstudiengang absolviert hat, machte darauf aufbauend eine Berufsvorstellung nach dem Master mit dem Fokus „sinojuristisch forschen und promovieren.“ Minte Nagel arbeitet als wissenschaftliche Assistentin am Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Privatrecht, Hamburg und gab den Teilnehmer:innen interessante Berufseinblicke und Perspektiven.
Das 14. Junge Forum zum Chinesischen Recht bot erneut Raum für einen lebendigen Austausch. Fachkundige Juristinnen und Juristen sowie China-Expertinnen standen bereit, um die Fragen der Teilnehmenden zu beantworten – und sie auf ihrem Weg als zukünftige Brückenbauerinnen und Brückenbauern zwischen China und Deutschland zu begleiten.
Konferenz & Nachwuchskolloquium des DCIR der Universitäten Göttingen und Nanjing am 25.-26.11.25
Am 25. und 26. November veranstaltete das Deutsch-Chinesische Institut für Rechtswissenschaft (DCIR), ein seit mittlerweile schon seit 36 Jahren bestehendes Gemeinschaftsprojekt der Universitäten Göttingen und Nanjing, unter dem Titel „Recht als Ordnungsfaktor in grenzüberschreitenden Kontexten“ eine zweitägige Konferenz an der Juristischen Fakultät. Hierzu versammelten sich am ersten Konferenztag zahlreiche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Göttingen und Nanjing, um sowohl aktuelle als auch grundlegende Fragen zu diskutieren, die durch die ökonomische und politische Globalisierung hervorgerufen werden. Dabei konnte als gemeinsamer Ertrag festgehalten werden, dass nur ein rechtlicher Rahmen, der praktikable sowie wertebasierte Regelungen enthält und der auf diskursive Weise unter wechselseitiger Anerkennung unterschiedlicher Vorstellungen und Traditionen zustandekommt, den Akteuren bei transnationalen Sachverhalten hinreichende Orientierungssicherheit verschafft. Am zweiten Konferenztag stellten dann deutsche und chinesische Doktorandinnen und Doktoranden im Rahmen eines Nachwuchskolloquiums ihre Forschungsergebnisse zur Diskussion und trugen so zur weiteren Vertiefung des rechtswissenschaftlichen wie auch des interkulturellen Austausches zwischen Deutschland und China bei. Für das nächste Jahr ist eine Folgekonferenz in Nanjing in Aussicht genommen.